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Internet-Portal-Sites: Aktueller Hype oder mehr?
Autor: Andreas Frenko. Erstveröffentlichung unter:
www.autoresponder.de/onlinemarketing/hintergrund/portal-sites.htm
In letzter Zeit ist immer öfter die Rede von sogenannten
Portal-Sites. Gelegentlich werden auch andere
Begriffe wie doorway pages oder entry pages, auch Portale
genannt. Wie auch immer die Angelegenheit bezeichnet wird, sie wird derzeit stark
diskutiert. War noch vor einem knappen Jahr die PUSH-Technologie in aller Munde, ist jetzt
die PORTAL-Site an der Reihe. Eine genaue Definition sucht man vergebens.
Wie der Name bereits andeutet, handelt es sich dabei um Webseiten, die als PORTALE,
quasi als "Einstiegsseiten" ins Internet dienen sollen. Die Websurfer sollen die
jeweilige Webseite als Sprungbrett für das weitere Surfen nutzen und als Ausgangspunkt
ansehen.
Eine engere Definition verlangt als zusätzliches Kriterium die
Personalisierbarkeit der Webseite. Damit ist quasi das
Maßschneidern der Homepage nur für einen einzelnen Besucher
gemeint. Dieser stellt einmal seine Präferenzen ein und bekommt
eine nach seinen Wünschen dynamisch generierte Webseite zur Ansicht.
So werden zum Beispiel oben links die aktuellen Börsenkurse der
drei im eigenen Depot befindlichen Aktien angezeigt und unten rechts
ein knapper Wetterbericht speziell für die Region des Besuchers.
Der Grund für diese Bemühungen ist kommerzieller Natur. Werbegelder
im Internet haben auch bisher schon fast ausschließlich
die größten Anbieter (d.h. diejenigen, die die meisten Besucher auf
Ihren Webseiten vorweisen können) unter sich verteilt. Seit aber mit
Nischenwebseiten, die aufgrund ständig steigender Internet-Nutzerzahlen
ebenso ein Mindestmaß an Besuchern haben, unliebsame Konkurrenz erwächst,
kontern die Großen im Geschäft mit der Personalisierung Ihrer Webseiten.
Sinn des Ganzen, ist es, ein möglichst detailliertes Nutzerprofil des
Besuchers zu erstellen, um so den Werbekunden zielgruppengerechte
Werbekontakte versprechen zu können. Außerdem haben Untersuchungen
der Suchmaschine EXCITE erwiesen, daß durch die Personalisierung
die Besucher die Seite fünfmal häufiger besuchen als ohne.
Suchmaschinen waren Vorreiter
Zuerst haben die Suchmaschinen diesen Trend erkannt, bzw. ihn
erst erschaffen. Durch die Suchfunktion, die diese auf Ihrer
Homepage bieten, sind sie für Millionen Surfer ein erster
Anlaufpunkt, wenn es gilt, im Netz auf Informationssuche zu
gehen. Erst durch den Kampf um Werbegelder sahen sich die
Betreiber der Suchmaschinen gezwungen, dem Nutzer einen Mehrwert
zusätzlich zum Suchen zu bieten. Daher wurde nichts unversucht
gelassen, die Surfer nicht nur zum Suchen, sondern auch zum
Verweilen innerhalb der Seite zu bringen. Man konnte sich der
Erfahrungen der proprietären Online-Dienste wie AOL oder
Compuserve bedienen, deren Erfolg ganz wesentlich darin
begründet liegt, dem Besucher eine einfach zu überblickende,
dennoch auf seine Interessengebiete eingehende Startseite
zu bieten. Weitere Zutaten einer PORTAL-Site
sind Chats nach Kategorien, Pinnwände für Kleinanzeigen und die
Möglichkeit, eigene Homepages abzulegen. Mehr oder wenig geschickt
werden außerdem die Besucher zu Shopping-Bereichen geführt.
Sie können Reisen buchen oder Unterhaltungselektronik ordern,
und das alles wohlgemerkt innerhalb der
Portal-Site.
Kampf um Benutzer
Auf diesen Zug sind nun einige Nachahmer aufgesprungen,
allen voran die Hersteller der bekanntesten Browser, namentlich
Microsoft und Netscape. In die Programme wurden kurzerhand
die eigene Portal-Sites per Standard-Einstellung eingebunden.
Startet der Surfer seinen Browser und geht online, wird
als erstes die eigene Seite angezeigt. Da die beiden
Browserhersteller weltweit eine Installationsbasis in
Millionenhöhe vorweisen können, ist beständiger Verkehr auf der
eigenen Portal-Seite vorprogrammiert. Den Browser-Schmieden
kommt dabei natürlich die Trägheit der Nutzer entgegen,
die diese Einstellung nicht ändern, sondern einfach (z.T.
über Jahre) voreingestellt haben. Außerdem strömen auch
heute noch jeden Monat Millionen neue Surfer ins Netz;
Sind Anfänger erst einmal an "Ihre" Startseite
gewöhnt, so werden sie diese so schnell nicht mehr verlassen.
Es scheint, als verlagere sich damit der Kampf zwischen
Microsoft und Netscape weg von den technischen Vor- und
Nachteilen ihrer jeweiligen Browser hin zur besseren
Portal-Site. Nachdem Microsoft in den letzten Monaten
durch einen gigantischen Marketingaufwand sowie einige
unlautere Methoden den bis dahin haushoch überlegenen
Konkurrenten Netscape erfolgreich als Marktführer verdrängen
konnte, könnte Netscape dies in Zukunft durch die bessere
Portal-Site wettmachen und so die Gunst der Online-Gemeinde
erlangen. Ein erster Schritt wurde bereits mit dem Einbau
einer Suchfunktion in die Programmversion 4.5 getan: Eingabe
eines Suchbegriffs in die Statuszeile des Browsers
(anstelle einer URL) und schon werden Suchtreffer angezeigt.
Netscape greift dabei auf Datenbestände des Suchdienstes
EXCITE zurück.
Es sieht tatsächlich so aus, als ob Portal-Sites mehr als nur
ein Modewort sein könnten. Sie kommen dem Bedürfnis der
meisten Benutzer entgegen, das Internet zu strukturieren
und einen klaren "Einstiegspunkt" zu haben. [AF]
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