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Wie Internetdienstleister die Kunden abzocken
Peter Hartwig* fühlte sich für den Start ins Electronic Business gut gerüstet. Gerade eben war seine neue Firmen-Homepage online geschaltet worden. Nun hatte der Geschäftsführer eines mittelständischen Seminarveranstalters hohe Erwartungen an seine Online-Umsätze. Schließlich hatte er sich sein Internetprojekt etwas kosten lassen. Obwohl ihm Angebote vorlagen, die über 60% günstiger waren, hatte er sich bewußt für das teuerste entscheiden. "Wenn schon Internet, dann richtig", so lautete seine Devise. Die Website war von einer aufstrebenden, professionellen Web-Agentur realisiert worden, die auch schon für sehr namhafte Großunternehmen gearbeitet hatte.
Pfusch zu teuer bezahlt
Leider passierte nach dem Online-Start wochenlang gar nichts. Nur wenige dutzend Besucher verloren sich pro Woche auf die Website. Online-Seminaranmeldungen gingen nicht ein. Peter Hartwigs Enttäuschung wuchs mit jedem Tag. Schließlich suchte er Rat bei WEBAGENCY. Unsere Analyse der Website ergab, dass sie gravierende Mängel im konzeptionellen und technischen Bereich besaß:
- Aufgrund einer mangelhaften Zielgruppenorientierung sprach die Website keine Kundengruppe richtig an.
- Wegen mangelnden Kundennutzens kamen die meisten Besucher kein zweites Mal auf die Website.
- Durch zu üppige Grafiken war die Ladezeit unerträglich lang. Viele Besucher brachen den Ladevorgang ab, bevor die Startseite vollständig geladen war.
- Eine verwirrende Navigation führte dazu, dass die Kunden nicht bis zum Bestellformular gelangten.
- Wegen einer fehlenden Suchmaschinenoptimierung wurde die Website von potentiellen Kunden nicht gefunden. Deshalb war die Besucherzahl insgesamt sehr gering.
Für den Pfusch sind zwei Gründe denkbar: Entweder fehlte es der Agentur an ausreichender Fachkompetenz oder es kam ihr vor allem auf maximalen Umsatz bei minimalem Aufwand an. Welcher Grund es auch gewesen sein mag: Beides ging zu Lasten des Kunden. Peter Hartwig hatte für die gebotene Leistung zu viel bezahlt. Allenfalls 30% des Preises wären angemessen gewesen. Hier hat die Agentur auf die Unerfahrenheit ihres Kunden gesetzt und ihn abgezockt.
Auch die Großen zocken ab
Doch Vorsicht! Ein prominenter Anbietername garantiert noch lange keine Seriosität. Die Abzocke kommt bei den besten Adressen vor. Michaela Wurz*, Abteilungsleiterin in einem Industrieunternehmen, bekam von einer börsennotierten New-Media-Firma einen 1-tägigen (in Worten: eintägig) Konzept-Workshop für E-Commerce zum stolzen Preis von über 37.000 DM (in Worten: siebenunddreißigtausend) zzgl. MWSt. angeboten. Die Herren Börsen-Shooting-Stars scheinen manchmal etwas unter Selbstüberschätzung zu leiden. Deshalb glauben sie wohl die Kunden übermäßig zur Kasse bitten zu können.
Worauf Sie achten sollten
Damit Sie nicht an einen zu teuren oder an einen zu wenig kompetenten Web-Dienstleiter geraten, haben wir fünf Tipps vorbereitet. Damit können Sie die Spreu besser vom Weizen trennen.
Geschäftskompetenz
Lassen Sie sich nicht von Schnickschnack blenden. Nicht die coolste Grafiken oder die tollste Programmierung entscheiden über Ihren Erfolg im WWW, sondern das beste Geschäftskonzept. Der Web-Dienstleister muss mit Ihnen über Ihr Geschäftsfeld reden und geschäftsorientierte Lösungsansätze entwickeln können. Werden Sie z.B. misstrauisch, wenn Sie nur am Rande nach Ihren Kunden und Ihrem Geschäft gefragt werden.
Ideen und Erfahrungen
Das Geschäftemachen im Internet ist nicht einfach. Viele Unternehmen haben einfach noch nicht ausreichend Erfahrung auf diesem Gebiet. Deshalb muss ein Internet-Dienstleister aktiv seine Ideen und Erfahrungen einbringen. Wenn er ausschließlich das macht, was Sie ihm vorgeben, dann ist er bestimmt nicht der richtige Partner. Am besten schützen Sie sich vor selbsternannten Pseudo-Experten, wenn Sie sich Referenzen nennen lassen. Sprechen Sie mit den Referenzkunden über deren Zusammenarbeit mit dem Internet-Dienstleister.
Die richtige Sprache
Lassen Sie sich nicht von Experten-Kauderwelsch (besonders beliebt bei Technikern) beeindrucken. Seien Sie skeptisch, wenn Ihnen der Web-Dienstleister nicht in normal verständlichem Deutsch klar machen kann, weshalb sein Konzept erfolgversprechend ist. Trauen Sie nur Konzepten, die Sie selber verstehen und deren Erfolgsaussichten nachgewiesen sind.
Fachliches Know-how
Für die Einzelaspekte von E-Commerce (z.B. Geschäftskonzeption, Kommunikationsdesign, Web-Design, Datenbank-Programmierung, Web-Marketing) ist inzwischen ein hoher Spezialisierungsgrad erforderlich. Kaum eine New-Media-Firma kann alles allein erledigen. Wer dies trotzdem behauptet, kann die meisten Dinge bestimmt nur mittelmäßig. Fragen Sie Ihren Web-Dienstleister nach seinen Kernkompentenzen. Und fragen Sie ihn, welche weiteren externen Experten er über sein Kooperationsnetzwerk in ein Projekt einbinden kann.
Offenheit
Vergleichen Sie die Angebote mehrerer Internet-Dienstleistungsfirmen. Lassen Sie sich von jedem Anbieter den Leistungsumfang genauestens aufschlüsseln. Vor allem im technischen Bereich ist häufig nicht klar, was wirklich fürs Geld geboten wird. Wenn Sie bei der Beurteilung der Angebote unsicher sind, holen Sie Rat bei externen Experten ein. Im Zweifelsfall ist dies immer noch billiger, als nach einem Fehlschlag viel Geld für den Relaunch einer Website aufwenden zu müssen.
* Die geänderten Namen sind uns bekannt, die Fälle zu 100% authentisch.
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