Projektmanagement: Mit Requirements Management erfolgreich ins e-Business
von Quality Systems & Software (QSS)
Egal, ob Sie vorhandene Geschäftspartner, Zulieferer und Kunden auch über das Internet bedienen
wollen oder einen völlig neuen Geschäftsbereich gründen möchten, der Erfolgsdruck ist
enorm. Die GartnerGroup erwartet, dass bis zum Jahre 2002 bis zu 75 % der e-Business Projekte aufgrund von
schwerwiegenden Fehlern bei der Projektplanung scheitern werden. Solche Fehler können sehr schnell zu
einem Verlust von Marktanteilen führen. Wie können Sie aber nun sicherstellen, dass solche
Projekte erfolgreich abgeschlossen werden?
Der Begriff e-Business wurde durch die papierlose und anonyme Abwicklung von Geschäften durch das
Medium Internet geprägt. Dieses Medium zwingt Firmen aller Bereiche dazu, Arbeitsprozesse zu vereinfachen,
um neue technische Möglichkeiten ausschöpfen zu können und nicht von Mitbewerbern überholt
zu werden. Obwohl es einigen Firmen gelungen ist, herausragende Erfolge durch den Einsatz dieser neuen
Technologien zu erzielen, gab es doch wesentlich mehr Misserfolge.
Wie steigen Sie also am Besten ins e-Business ein?
Es gibt drei wesentliche Bestandteile, mit denen sich alle e-Business-Teams auseinander setzen müssen:
Geschwindigkeit der Einrichtung, Qualität der Leistung und die Fähigkeit zur Anpassung.
Herausforderung 1: Wie schnell können Sie einen Service anbieten?
Um in diesem neuen Umfeld erfolgreich zu sein, muß sich das e-Business sehr schnell entwickeln können.
Alteingesessene Firmen müssen nicht mehr nur gegen ihre bisherigen Kokurrenten bestehen, sondern auch gegen
neue Firmen, die nach einem e-Business Modell arbeiten, wie z.B. reine dotCOM-Firmen. Um eine weltweite
Präsenz zu erreichen, können diese Firmen auf die Infrastruktur des Internets zurückgreifen.
dotCOM-Firmen, die sich durch ihre Wendigkeit auszeichnen, müssen ständig Neuigkeiten einführen,
um gegen ihre Kokurrenten bestehen zu können. Yahoo! z.B. hat sich einen loyalen Kundenstamm geschaffen,
indem das vorhandene Angebot laufend erweitert wurde.
Herausforderung 2: Wie läßt sich ein Service auf hohem Qualitätsniveau anbieten?
Die Machtverhältnisse zwischen Verkäufer und Käufer wurden durch die Einführung des
e-Business stark verschoben. Durch die Möglichkeiten, die hierbei entstehen, können Kundenzufriedenheit
und -ansprüche gesteigert werden, da mehr Informationen und ein größeres Angebot zur
Verfügung stehen. Das gilt sowohl für e-Business im Bereich B2C (Business to Consumer), wie z.B.
die Online-Börsenapplikation von Charles Schwab, als auch e-Business-Lösungen, wie die von Oracle,
die fast den gesamten Umsatz über das Web abwickeln. Die Qualität des Angebots kann an der
Anwenderfreundlichkeit des Angebots, der Sicherheit und der Zuverlässigkeit gemessen werden.
Dell hat als erster die Möglichkeit geschaffen, und dann noch perfektioniert, "customised"
PCs direkt über das Web zu bestellen. Von jedem Ort der Welt aus kann man ein vollautomatisches
Bestellsystem nutzen, um einen PC nach eigenen Wünschen zusammenzustellen, Preise zu vergleichen, die
Auftragserledigung zu verfolgen, eine Bestellung aufzugeben oder den Kundendienst zu kontaktieren.
Ein solcher Erfolg erfordert es Kundenwünsche und -erwartungen zu verstehen, auszuwerten und die
Fähigkeit, die gewonnenen Erkenntnisse dann auch umzusetzen.
Herausforderung 3: Wie reagiert der Service auf ständige Änderungen?
Das e-Business ist von Änderungen geprägt. Alle Geschäftsprozesse müssen an die
Anforderungen des e-Business angepasst werden. Kundenansprüche ändern sich durch die Tatsache,
dass der Kunde die Prozesse steuert und die Erfahrungen, die er dabei sammelt. Geschäftsregeln
ändern sich, da durch diese neuen Geschäftsmöglichkeiten neue Regeln, wie z.B. Steuergesetze
oder Ladenschlussgesetze, notwendig werden. Die Komplexität, die mit diesen Änderungen einhergeht,
tritt besonders bei alteingesessenen Firmen in Erscheinung, die alle vorhandenen Prozesse an das e-Business
anpassen müssen.
Man stelle sich nur den Aufwand bei General Motors vor, der nötig war, Kunden zu ermöglichen,
sich einen PKW im Internet zusammenzustellen und innerhalb weniger Tage geliefert zu bekommen. Ein solcher
Schritt macht es erforderlich, alle Geschäftsprozesse anzupassen, bis hin zum Fertigungsprozess.
Die erforderlichen Änderungen dürfen dabei weder die Firmenstrategie beeinflussen, noch die
Kundenwünsche eingrenzen, weder die Entwicklung neuer Produkte verlangsamen, noch darf die
Qualität darunter leiden.
Requirements Management
Die wesentlichen Gesichtspunkte e-Business zu implementieren können mit Hilfe von Requirements
Management-Werkzeugen gelöst werden. Requirements Management (RM) ist ein kundenorientierter Ansatz,
die Wünsche der Kunden und des eigenen Managements zu erfassen, dem e-Business-Team zu Verfügung
zu stellen, die Implementierung mit den Anforderungen zu vergleichen und evtl. Abweichungen noch
während der Implementierung in den Entwicklungs-prozess einfließen zu lassen. Mit diesem
Ansatz haben es Firmen wie Charles Schwab, Bank of America, USAA und Hire.com geschafft, ihre
e-Business-Lösungen zu entwickeln und geniessen dadurch großes Ansehen in dieser
neuen Gesellschaft.
Man kann den RM(Requirements Management)-Prozess einer e-Business Lösung in vier Phasen aufteilen:
- Erfassen der Geschäftsziele
- Erfassen und Priorisieren der Requirements (Anforderungen)
- Zuordnen der Requirements zu den geplanten Implementierungsphasen
- Überprüfen der Implementierung in jeder Phase in Bezug auf die Anforderungen
Erfassen der Geschäftsziele
Der RM-Prozess beginnt mit dem Erfassen der Geschäftsziele, die der e-Business-Idee
zugrunde liegen. Dies geschieht durch die Befragung aller am Prozess Beteiligten, Erfassung
der Kernaussagen und darin, diese allen Beteiligten in verständlicher Form während
der gesamten Projektlaufzeit zur Verfügung zu stellen. Die Geschäftsziele werden
typischerweise durch Marktanteile, Amortisation der Investition, vertikale Marktführung
oder Umsatzzahlen definiert. Viele Versuche e-Business einzuführen sind gescheitert,
weil diese Ziele nicht von Anfang an verstanden und kommuniziert wurden.
Levis z. B. musste große Verluste hinnehmen bis entschieden wurde, dass auch die
Händler in das e-Business Modell einbezogen werden mussten, um Kunden anzusprechen.
Erfassen und Priorisieren der Requirements
Nachdem die Geschäftsziele definiert wurden, besteht der nächste Schritt des RM-Prozesses
daraus, Anforderungen aus den vorhandenen Informationen zu bilden und diese für das Projekt zu
priorisieren. Die Anforderungen werden mit Hilfe von Anwenderszenarien definiert und beschreiben
sowohl Funktionalität als auch Leistung. Diese Priorisierung wird später zur schrittweisen
Einführung des e-Business Services genutzt, indem die Services mit der höchsten Dringlichkeit
zuerst eingeführt werden. Dies ist auch wichtig, um alle Arten der Nutzer zu berücksichtigen,
nicht nur den Kunden. Es wird auch interne Nutzer des e-Business-Systems geben, wie z.B. die
Auftragsbearbeitung, der Kundendienst und die Administratoren. Für eine erfolgreiche Umsetzung
müssen alle Nutzer des Systems berücksichtigt werden.
Zuletzt werden die Anforderungen mit den Zielen verknüpft oder verbunden. Dies hat den
Vorteil, dass sofort erkennbar wird, welche Anforderungen noch nicht umgesetzt wurden. Ein
weiterer Vorteil ist auch, dass der Einfluss einer Änderung sofort sichtbar gemacht
werden kann.
Zuordnen der Requirements zu den geplanten Implementierungsphasen
Ausgestattet mit diesen strukturierten Requirements, die aus Kundenanforderungen und
Geschäftszielen stammen, hat das e-Business-Team nun alle Informationen, um die Implementierung
zu planen. Wenn man den ernormen Zeitdruck berücksichtigt, ist eine schrittweise Einführung
der Services empfehlenswert. Durch Ausnutzen der verschiedenen Prioritäten und dem
Implementierungsaufwand kann jedes Requirement einer bestimmten Version zugeordnet werden.
Überprüfen der Implementierung in jeder Phase in Bezug auf die Anforderungen
Kurz vor Erreichen jeder einzelnen Version muss die Implementierung mit den Anforderungen verglichen werden.
Dazu können zu jedem Requirement verschiedene Testmöglichkeiten definiert werden, um die richtige
Umsetzung zu validieren. Innerhalb des RM-Prozesses werden diese Tests auf die entsprechenden Requirements
abgebildet. Dieser Prozess garantiert, dass alle Requirements getestet wurden und sorgt dafür, dass der
Projektstatus jederzeit sichtbar wird.
Fazit
Während diese Prozesse hier als logische Folge aufeinander beschrieben wurden, werden
diese Schritte in der Praxis wohl meist parallel ablaufen. Während ein e-Business-Modell
fortlaufend verfeinert wird, werden neue Anforderungen eingeführt und die Geschäftsziele
verändern sich. Dadurch, dass mehr Kunden online gehen, werden oft alte Anforderungen durch
neue ersetzt. Der RM-Prozess nimmt sich dieser erwarteten Änderungen an, indem er mit seinem
Change-Management hilft, diese Vorschläge aufzunehmen, auszuwerten und geordnet in den Prozess
einzuführen. Dies wird durch die Verknüpfungen innerhalb des RM-Prozess ermöglicht,
der dadurch den Einfluss einer Änderung auf das Gesamtsystem sichtbar macht und die
Entscheidungsfindung unterstützt.
Infos: Quality Systems & Software (QSS), Ansprechpartner ist Rupert Wiebel, München,
Tel. (089) 4 20 79 40, http://www.qssinc.com/.
Zu diesem Thema veranstaltet die Firma QSS, am 29.06.2000 ein Seminar in München.
Erstveröffentlichung unter
http://www.projektmagazin.de,
Veröffentlichung mit Genehmigung
Dieser Artikel stammt aus dem E-Commerce-Info-Dienst der WEBAGENCY
(http://www.webagency.de).
Die WEBAGENCY E-Commerce AG konzipiert und realisiert E-Commerce- und
E-Business-Lösungen für die Industrie, den Handel, die
Dienstleistungsbranche und die öffentliche Hand.
|
|