Business: Großunternehmen erkennen strategische Bedeutung von E-Commerce
"Viel wird es nicht bringen. Trotzdem experimentieren wir einmal ein bisschen mit E-Commerce. Schaun‘ mer mal,
was rauskommt." So oder ähnlich war bislang die Haltung der großen deutschen Unternehmen zu E-Commerce.
Das Internet galt als interessant, aber nicht umsatzrelevant. Ausserdem hatte man als Unternehmen ja auch noch etablierte
Vertriebskanäle, mit denen man wegen "ein paar Mark Online-Umsatz" keinen Channel-Conflict riskieren
wollte. Statt der strategischen Neuausrichtung des Unternehmens wurde allenfalls ein kleines E-Commerce-Pilotprojekt
gewagt.
Diese Haltung wird sich im Laufe des Jahres 2000 ändern. Manche Unternehmen sind bereits durch erste bescheidene
Erfolge ermutigt, mehr zu wollen – nämlich die große E-Commerce-Mark. Immer deutlicher wird, dass sich im
Internet ein völlig neuer Markt auftut. Wer dort als erster so richtig dabei ist, kann sich die größten
Marktanteile sichern. "First Mover Advantage" wird dies genannt. Deshalb verlässt das Thema E-Commerce
die Experimentierstuben der Marketing- und EDV-Abteilungen.
Electronic Commerce wird nun zunehmend von der Geschäftsführung auf strategischer Ebene diskutiert:
"Was müssen wir tun, um uns unseren strategischen Vorteil zu sichern?" Dementsprechend werden wir
im Jahr 2000 quer durch alle Branchen Versuche sehen, strategische Marktpositionen in digitalen Märkten zu
besetzen.
Prognose-Genauigkeit: Volltreffer! E-Commerce und E-Business werden immer mehr zum Vorstandsthema. Und das die Deutsche Bank
nach langem Zögern ein Finanzportal wie moneyshelf.de
startet, belegt, wie sehr um strategische Marktpositionen gekäpft wird.
Business: Mittelstand entdeckt das Internet-Business und Kundenbeziehungsmanagement
Auch immer mehr mittelständische Firmen entdecken, dass E-Commerce zu einem fundamentalen Wandel im
Geschäftsleben führt. Welch wichtige Rolle das Internet in der Kundenbetreuung spielen wird, wird
immer deutlicher. Die Kunden wollen über alle möglichen Kommunikationskanäle mit den Firmen
kommunizieren. Wer für seine Kunden nicht optimal über das Netz ansprechbar ist, gefährdet
seine Marktposition. Nicht über die Website oder per E-Mail mit den Kunden zu kommunizieren, ist wie,
als Unternehmen kein Telefon zu nutzen. Nachdem nun das Jahr-2000-Problem gelöst ist, erkennt der
Mittelstand seine Defizite im Bereich Electronic Commerce und Customer Relationship Management (CRM). Diese
Begriffe werden zu Modeworten des Jahres 2000 werden.
Der Mittelstand und selbstverständlich auch die Großunternehmen werden zunehmend mehr
Kundenbetreuung über das Internet durchführen. Den Kunden wird ein verbesserter
Selbstbedienungsservice über das WWW angeboten: Online-Produktkataloge, Produktkonfiguratoren
und Datenbankabfragen (Abfrage des Lagerbestandes, Auftragsstatus etc) werden zu wichtigen
Elementen werden.
Prognose-Genauigkeit: Treffer! Immer mehr Unternehmen planen solche Dienste oder haben
sie bereits realisiert. Allerdings war der Mittelstand nicht ganz so schnell, wie von uns vermutet.
Dort sind die größeren Budgets für E-Business erst für 2001 vorgesehen.
Business: Marktplätze und Communities gewinnen Bedeutung
Zum großen Renner im Jahr 2000 werden virtuelle Marktplätze und Online-Communities werden. Diese
Marktplätze fungieren als Informationsdrehscheibe, auf der sich konkurrierende Anbieter und Kunden
versammeln. Die Kunden finden dort optimale Vergleichsmöglichkeiten zwischen den Anbietern und können
den besten heraussuchen.
Über Community-Einrichtungen, wie z.B. Diskussionsforen oder eine Anbieter-Beurteilung durch die
Kunden, werden zwischen den Kunden Erfahrungen und Meinungen ausgetauscht. Auch wird es auf diesen
Marktplätzen zu einer Bündelung der Nachfrage durch virtuelle Einkaufsgemeinschaften kommen.
Mehrere Kunden schließen sich zusammen und handeln mit ihrem Lieferanten bessere Konditionen aus.
Was auf diesen Marktplätzen passiert, stellt das traditionelle Denkweisen teilweise auf den Kopf.
Etablierte Unternehmen tun sich schwer, selbst die Einrichtung solcher Marktplätze in die Hand
zu nehmen: "Was? Wir sollen einen Marktplatz einrichten, auf dem sich auch unsere Konkurrenz
tummeln darf? Und dann sollen wir uns noch freiwillig in einen Leistungs- und Preisvergleich begeben?
Niemals!". Deshalb werden diese Marktplätze häufig von branchenfremden Quereinsteigern
aufgebaut und mit Venture Capital finanziert. Mit dem richtigen Konzept und einer soliden Finanzierung
bieten diese Marktplätze jedoch langfristig eine herausragende Chance. In maximal fünf Jahren
wird nach unserer Einschätzung in zahlreichen Branchen ein Großteil des Geschäftes
über Online-Marktplätze abgewickelt werden.
Prognose-Genauigkeit: Treffer! Im Jahr 2000 schossen die Internet-Marktplätze
wie Pilze aus dem Boden. Viele davon sind tatsächlich mit Venture Capital realisiert worden.
Welchen Erfolg sie haben werden und welchen Anteil des Geschäftes sie an sich ziehen
können, bleibt jedoch abzuwarten.
Technologie: WAP wird zum Rohrkrepierer
Die hochgelobte WAP-Technologie (Wireless Application Protocol), das Internet-Surfen mit dem Handy,
wird sich nicht durchsetzen können. Das zu kleine Handy-Display und die unzureichende Tastatur
besitzen die gleiche geringe Faszination, wie die textbasierten BTX-Terminals in den 80‘er Jahren des
vergangenen Jahrhunderts. Ausserdem kann man mit WAP nicht im gewohnten "normalen" Internet
surfen, sondern nur auf speziellen WAP-Seiten - sozusagen im "Internet light". Und die hohen
Handy-Gebühren tragen den Rest dazu bei, dass WAP vorerst den Durchbruch nicht schaffen wird.
Lediglich in einigen Nischen werden Internetangebote für mobile Surfer zum Erfolg werden: Abfrage
von Fahr- und Flugplänen, Ticketbuchung und Sitzplatzreservierung. Bei allen anderen Angeboten, auf
die man nicht unbedingt von unterwegs zugreifen muss, werden die Zugriffszahlen unter den Erwartungen
bleiben. Online-Shopping über WAP wird es nicht geben. Kein Grund also für Website-Betreiber
panisch mit der Umsetzung ihrer Webseiten ins WAP-Format zu beginnen. Damit können sie sich getrost
noch 24 Monaten Zeit lassen.
Prognose-Genauigkeit: Volltreffer! WAP konnte sich tatsächlich nicht durchsetzen.
Internet-Dienstleistungen: Spezialisierung nimmt zu
Die Entwicklung des Internets schreitet in rasantem Tempo voran. Die Internet-Sites und
E-Commerce-Lösungen werden immer aufwendiger. Eine State-of-the-Art-Website zu konzipieren, zu
realisieren und zu vermarkten erfordert schon heute profunde Kenntnisse auf den unterschiedlichsten
Gebieten. Das Zeitalter der "Universalgenies", die sich irgendwie mit allem gut auskannten,
neigt sich in 2000 dem Ende zu. Der Markt für Internet-Dienstleistungen wird sich weiter
aufspalten. Da gibt es Fachleute für die strategische Positionierung eines Unternehmens in
digitalen Märkten, Fachleute für Virtual Communities, Fachleute für Kommunikationsdesign,
Fachleute für Webdesign, Fachleute für Datenbankprogrammierung, Fachleute für die
Anbindung von EDV-Bestandsystemen, Fachleute für Online-Marketing usw.. Diese Leute beschäftigen
sich fast ausschließlich mit ihrem Spezialgebiet – schließlich gibt es dort mehr Arbeit
als genug – und kennen sich auf den anderen Gebieten nur noch rudimentär aus.
Kaum ein Unternehmen braucht diese hochqualifizierten Experten auf Dauer im eigenen Haus (und wird
sich dies auch kaum leisten können). Projekte werden so ablaufen, dass die Experten aus
unterschiedlichen Gebieten auf Zeit gemeinsam in einem Projektteam arbeiten. Während dieser Zeit
wird die Lösung konzipiert und realisiert. Gleichzeitig werden die Mitarbeiter des Unternehmens
werden so trainiert, dass sie die fertige E-Commerce-Lösung betreuen und eigenständig
weiterentwickeln können.
Eine der größten Herausforderungen des Jahres 2000 (und danach) wird sein, für
Projekte das richtige Team zusammenzustellen und zu managen.
Prognose-Genauigkeit: Volltreffer! Auf dem Markt für Internetdienstleistungen hat
tatsächlich eine Spezialisierung stattgefunden. Das Auftauchen solch spezialisierter Anbieter
wie der Suchtreffer AG, die sich z.B. auf Suchmaschinenoptimierungen von Internet-Seiten spezialisiert
hat, ist ein klares Indiz dafür. Und das richtige Team für ein Webprojekt zu finden, war
im Jahr 2000 tatsächlich eine echte Herausforderungen.
Dieser Artikel stammt aus dem E-Commerce-Info-Dienst der WEBAGENCY
(http://www.webagency.de).
Die WEBAGENCY E-Commerce AG konzipiert und realisiert E-Commerce- und
E-Business-Lösungen für die Industrie, den Handel, die
Dienstleistungsbranche und die öffentliche Hand.