Geschäftschancen durch E-Business
Stellen Sie sich vor: "Ihr Gewinn steigt - Ihre Vertriebs- und Verwaltungskosten
sinken - Ihre Kunden können jederzeit verfolgen, wieweit deren Bestellung gefertigt bzw. ausgeliefert
ist - Ihre Zulieferer füllen in der Produktion automatisch zum richtigen Zeitpunkt genau die benötigte
Menge auf - Ihr Logistikdienstleister holt die Waren gemäß Lieferwunsch Ihres Kunden automatisch
ab - Ihre Lieferanten unterbieten sich gegenseitig bei der Beschaffung Ihrer neuen Maschine - Alle Ihre
Geschäftsprozesse sind für Sie jederzeit transparent, Sie haben alles unter Kontrolle!"
Unmöglich?
Neue Chancen durch E-Business
E-Business nennt sich, was zu obiger Transparenz führt. Diese Transparenz ist nicht vorrangiger Zweck, sondern Abfallprodukt neu gestalteter Geschäftsprozesse, an denen mehrere Unternehmen
beteiligt sind und mit einer einheitlichen Sprache elektronische Informationen über das Internet so
austauschen, daß der gesamte Ablauf für jedes Unternehmen zu geringeren Kosten und zudem schneller
ausgeführt werden kann. Bevor die Auswirkungen von E-Business auf Geschwindigkeit und Kosten näher
untersucht werden, gilt es den Begriff zu definieren.
Definition E-Business
E-Business bedeutet für ein Unternehmen letztendlich alle Geschäftsprozesse
über das Internet/Intranet abzuwickeln, damit sind auch alle Funktionsbereiche wie Marketing, Vertrieb/Service,
Beschaffung, Produktion und Logistik etc. betroffen. Dagegen bedeutet E-Commerce, Waren und/oder
Dienstleistungen elektronisch zu präsentieren, zu verkaufen sowie Online die Transaktion und Zahlungen
abzuwickeln, weitergehende Informationen über das Internet auszutauschen und dem Kunden über das
Internet einen umfassenden Nutzen und Service zu bieten. E-Commerce ist damit eine Untermenge von E-Business.
Einsparungen durch E-Business
Auf der Basis des Internet werden Geschäftsbeziehungen mit einem einheitlichen Kommunikationsmedium
abgewickelt. Mit dem Internet ist ein Standard gesetzt und akzeptiert, der die Schnittstellen reduziert
und die Abwicklung zu reduzierten Kosten ermöglicht.
Das Unternehmen CISCO SYSTEMS hat nach eigenen Angaben durch die Abbildung der Geschäftsprozesse
im Internet nachhaltige Kosteneinsparungen in Höhe von über US$ 360 Mio. erzielt und dabei die
maximale Lieferzeit auf 3 Tage reduziert. Die Einsparungen liegen damit bei knapp 3% des Umsatzes des
letzten Geschäftsjahres. Einsparungen beziehen sich also auf Kosten und Zeit.
Die folgenden Beispiele sollen veranschaulichen, in welchen Funktionsbereichen und durch welche
Maßnahmen Einsparungen erzielt werden können: Dabei wird auf konkrete Beispiele aus der
Praxis verwiesen.
Beispiel Produktentwicklung
Die Autoindustrie setzt hier seit Jahren Maßstäbe. Schon ohne des Internet wurden Geschwindigkeits-
und Kostenvorteile erreicht, indem die Entwicklung neuer Fahrzeug(-teil)e durch den Austausch von CAD/CAE-Zeichnungen
umgesetzt wurde. Anfangs wurden die Daten auf Datenträgern, dann per Wahl- oder Standleitungen in immer
kürzerer Zeit ausgetauscht.
Heute werden über das Internet mittels neuer CAx-Anwendungen in virtuellen Konstruktionsgruppen
unterstützt durch Videokonferenzen komplette Autos am Bildschirm konstruiert und deren künftige
Produktion, aber auch Fahrverhalten so simuliert, dass Fehler frühzeitig erkannt und die spätere
Produktion schneller durchgeführt werden können. Die Entwicklungszyklen neuer Autos haben sich
damit von 7-8 Jahren in den 80er Jahren auf 3-4 Jahre Ende 1999 reduziert bei gleichfalls früher
amortisierten Investitionen.
Prof. Dr.-Ing. J. Wernicke von der HTW Mittweida (FH) schätzt, "...eine sechsmonatige
Verzögerung bei der Markteinführung eines Produkts bringt Gewinnminimierung um 50-60% -
mit CAD..." "... sind Entwicklungs- und Kosteneinsparungen von 20 % und mehr denkbar."
Beispiel Vertrieb
Ein sich rasch änderndes Produktsortiment erfordert ständig aktuelle Kataloge und
Produktinformationen für den eigenen Vertrieb und/oder die Handelsorganisation. Die Bereitstellung
eines Produktkatalogs im Internet erlaubt tagesaktuelle Produktinformationen und eröffnet zudem
die Möglichkeit, Non-Stop-Shopping zu betreiben. Ferner können die Bestellungen mittels
einer integrierten Bestellprüfung (z.B. durch einen Produktkonfigurator) fehlerfrei
entgegengenommen werden. Je höher Komplexität und Varianten des Produktes sind, je höher
werden die Kosteneinsparungen sein. So könnte die Bestellung einer komplexen Telefonanlage im
lokalen Vertriebspunkt, die bisher sowohl von der Regionalzentrale, als auch abschließend von
der bundesweiten Auftragsannahme insgesamt dreimal geprüft wurde, nunmehr automatisiert durch
einen Intranet-Konfigurator geprüft werden und bei Fehlerfreiheit sofort an die eigene Produktion
bzw. den Hersteller in Sekundenschnelle weitergeleitet werden.
Beim Aufbau eines Internetshops als weiteren Vertriebskanal gilt es eventuelle Konflikte mit den
bestehenden Vertriebswegen genau zu prüfen. Verlockend ist die Möglichkeit, diejenigen
Zwischenstufen / Zwischenhändler in der Handelskette, die keinen Nutzen für den Kunden
darstellen, auszuschalten und damit entweder eine höhere Marge zu erhalten oder durch aggressive
Preise Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Das Gesamteinsparpotential im Vertriebskanal schätzt das
Unternehmen Intershop auf 40-50%.
Beispiel Produktion
In vielen Unternehmen werden die zur Produktion benötigen Rohmaterialien und Halb- und
Fertigerzeugnisse durch das Unternehmen selbst bestellt, gesteuert durch Wiederbeschaffungszyklen
im IT-System und das darin abgebildete Fertigungsverfahren. Meist wird hier bereits just-in-time
zugeliefert, um die Lagerbestände gering zu halten.
Sobald der Produktionsfortschritt und die zur Herstellung benötigten Waren für den
Zulieferer transparent gemacht werden, kann der Zulieferer auf der Grundlage der mit ihm
getroffenen Rahmenvereinbarungen ohne Vorliegen einer Bestellung die Zulieferung der Ware
just-in-time durchführen. Eine gesonderte Bestellung ist nicht mehr erforderlich. Die Kosten
der Bestellvorgänge entfallen. Auch hier bietet sich das Internet als Kommunikationsplattform
an, um den Zulieferer auf die Daten des Herstellers zugreifen zu lassen.
Bei vollständiger Nutzung von E-Business wird eine weitere Verschlankung des
Produktionsprozesses möglich und notwendig. Wenn die Waren nicht mehr über eine
periodische Planung in größeren Losen gefertigt werden, sondern die im Internet
plazierten kleinen Aufträge die Produktion antreiben, muß die Herstellung auf
‘build-to-order’ umgestellt werden.
Ganz nebenbei schafft man bei der digitalisierten Abbildung des Produktionsprozesses
auch das Angebot an den Kunden, den Fortschritt seiner Bestellung in der Produktion erkennen
zu können.
Beispiel Service
In einem Unternehmen wird die technologische Internet-Hardware erweitert. U.a. werden neue
Hochgeschwindigkeits-Router installiert, um die gestiegenen Kundenanfragen bedienen zu können.
Das eigene IT-Personal ist mit dem neuen Produkt noch nicht trainiert worden – zudem sind diese
Skills rar.
Das hat u.a. auch das Unternehmen CISCO erkannt und seinen Service darauf abgestellt. Z.B.
wird dem Kunden die Möglichkeit geboten, über Online-Konfigurationstools die
Einstellungen des Routers am Internetschirm zunächst zu simulieren und die positiven
Ergebnisse auf die Realität zu übertragen. Zudem bietet CISCO mit der interaktiven
Fortbildung Cisco Interactive Mentor eine Online-Ausbildung an, um den Umgang mit den
neuen Systemen "Just-in-time" zu lernen. CISCO hat damit nicht nur die oben
erwähnten Einsparungen realisiert, sondern will zudem die Kundenzufriedenheit um
25% gesteigert haben.
Beispiel Personalauswahl
Der klassische Weg der Schaltung von Anzeigen in Zeitschriften wird heute zunehmend durch
die Publikation offener Stellen im Internet erweitert. Die damit verbundenen Möglichkeiten
werden jedoch kaum genutzt. Vorreiter sind einige wenige Personaldienstleister, die verbunden
mit der Entgegennahme der Bewerbung bezogen auf die jeweilige Position eine Vorauswahl - durch
gezielte Befragung oder sogar Test - der Bewerber im Internet treffen. Damit muss nicht mehr
jede Bewerbung gelesen werden, man kann sich auf die Prüfung der gemachten Angaben und das
eigentliche Gespräch und ggf. Test des Bewerbers konzentrieren. Wenn auf eine
Personalsuchanzeige z.B. 50 Bewerbungen eingehen, werden meist max. 10 Kandidaten zum Interview
eingeladen. Das Lesen der Bewerbungen der anderen 40 Bewerbungen würde künftig entfallen,
wenn alle Bewerber über Internetzugang verfügen und die Vorselektion im Internet
abgewickelt wird.
Beispiel Beschaffung
Die durchschnittlichen Kosten einer Bestellung (Mix aus A-, B- und C-Teilen, also
geringwertigen Wirtschafts- bis Investitionsgütern) liegen nach Einschätzung
von JBA Deutschland bei knapp 150,- DM. Diese Kosten summieren sich aus den Auswahlkosten der
richtigen Lieferanten, der reinen Bestellung beim Lieferanten über die Freigaben aller
Beteiligten und des Ausfüllens der Bestellung in der Fachabteilung.
Durch Internet-Technologien besteht die Möglichkeit, insbesondere den Beschaffungsprozess
von Gütern (C-Teile) mit geringer strategischer Bedeutung und hohem Automatisierungspotential
zu optimieren. Unter Einsatz von Web-Frontends wird die Beschaffung dezentral vom Arbeitsplatz aus
organisiert, wobei die Berechtigungskonzepte sowie der Workflow zentral hinterlegt sind. Der Einkauf
ist künftig in den reinen Bestellvorgang nicht mehr involviert. Zudem kann mit fortschreitender
E-Business-Integration das Management der C-Bestände auf der Basis vereinbarter Regeln auch
den Lieferanten übertragen werden.
Beispiele Kosteneinsparungen:
- Die Frankfurter Flughafen AG konnte durch optimierte Prozesse die durchschnittlichen Einkaufskosten
je Vorgang von 279,- DM auf unter 35,- DM senken. (siehe Schaukasten oben)
- Mitte 1997 kündigte Harvey Seegers, Präsident und Chief Executive Officer des Unternehmens
General Electric Informations Services, an, dass General Electric die Beschaffung in allen
12 Geschäftsbereichen auf das Internet verlagern wird. Dies umfasste ein Einkaufsvolumen
von US$ 5 Milliarden. Lt. Bericht der WEBAGENCY vom 28.3.98 traf General Electric diese
Entscheidung auf Basis der Ergebnisse eines Pilotprojektes im Geschäftsbereich
GE Lighting. Neben geringerem Personalbedarf sind Materialeinsparungen von 5 bis 20 Prozent,
eine Verringerung der Bearbeitungszeiten von sieben auf einen Tag und eine Verkürzung der
Wiederbeschaffungszeiten von 18 bis 23 Tagen auf 9 bis 11 Tage verzeichnet worden.
Geschäftspotentiale im Internet
Chancen für jedermann? Wer macht das Rennen, wer nimmt daran teil?! These: Nur Unternehmen,
die alle an der primären Wertschöpfungskette beteiligten Prozesse bereits heute oder in
naher Zukunft digitalisiert haben, werden kurzfristig einen Wettbewerbsvorteil erzielen können.
Eine Barriere für Neu-Einsteiger?
Zum Beispiel: Logistikdienstleister
Hohe Chancen können sich Logistikdienstleister ausrechnen, die den Fluss der Waren
jederzeit kontrollieren und visualisieren können. Sie können nicht nur B2B mit ihren
Kunden zusammenarbeiten, sondern können auch neuen Kunden eine Plattform anbieten, um
- deren Waren im Internet über Shop anzubieten und
- den Versand zu übernehmen.
Konkrete Beispiele hierzu gibt es bereits. So bietet Media-e.com, eine Tochter des
Koch-Konzerns aus Höfen im Tirol, seinen Kunden neben der Integration des Transportes in die
Homepage des Kunden auch an, einen Shop bei Media-e im Internet zu mieten und die Waren aus dem
Koch-Distributionszentrum zum Kunden versenden zu lassen.
Weit voraus ist hier UPS, das mit seinen E-Business Lösungen eine Vorreiterrolle
übernommen hat. Wer nicht bereits SAP und My.SAP.COM nutzt, erhält hier eine Vielzahl
an fertigen Werkzeugen. Diese reichen von der Frachtkostenkalkulation über die Abstimmung
der Bestelldaten mit den Lagerbeständen, Bestimmung der Zustelltermine, Rechnungslegung
durch UPS, Kreditkartenprüfung und elektronische Bezahlung sowie der Auslieferung und
Verfolgung von Paketsendungen durch den Kunden (auch für den Kunden des Kunden).
UPS wird jetzt zudem für Ford in USA die Beschaffungslogistik in der Produktion sicherstellen
und "nebenbei" auch zur Transparenz des Produktionsprozesse beitragen. Kunden können
damit jeden Produktionsfortschritt ihres bestellten Fahrzeuges verfolgen.
Die bestehende Partnerschaft mit IBM Net.Commerce sowie die jüngste Partnerschaft mit
Intershop runden das Bild einer Gesamtdienstleistung für den schnellen Internet-Einstieg ab.
Zum Beispiel: Jedermann
Mit den angebotenen Komplettpaketen für E-Commerce wird selbst für Kleinstunternehmen
die Welt kurzfristig global. Der heutige Aufwand zur Realisierung eine Geschäftsidee im Internet
ist damit wesentlich geringer. Man bedient sich eines oder mehrerer Dienstleister (siehe z.B. rechts
die gemeinsame Initiative von IBM der Post AG) sowie deren Kompetenz, um seine Produkte über
das Internet zu verkaufen. Die so gewonnene Zeit muss man jedoch vorher investieren, um den Marktplatz
im Internet zu analysieren und seine Gepflogenheiten kennen lernen. Der Kunde stellt hohe Erwartungen
an den Nutzen der angebotenen Seiten. Findet er diesen nicht, ist er mit einem Mausklick weg zu dem
Anbieter, der ihm diesen Nutzen bietet.
Um den Nutzen für die Kunden zu erhöhen, sollten komplementäre Dienstleistungen
angeboten werden. Soweit Unternehmen einen eigenen Shop betreiben, könnte die Transportleistung
von einem Logistiker nach Wahl angeboten werden. Zudem könnte der Erwerb durch Finanzdienstleister
erleichtert und der Warenfluss finanziell abgesichert werden.
Resümee
Der Beitrag mit seinen Beispielen sollte deutlich machen, dass die
Neuausrichtung und Digitalisierung der Geschäftsprozesse für die meisten Unternehmen
dringend notwendig ist, um in Zukunft im Wettbewerb überleben zu können.
Die dabei entstehende informationstechnologische Transparenz der Geschäftsabläufe ist
nur der Nebeneffekt, der dem Kunden einen weiteren Nutzen bieten kann. Der Weg ist das Ziel, um
über die Analyse der Geschäftsprozesse, das Aufzeigen von Optimierungsmöglichkeiten
und die Veränderung der Geschäftsprozesse Kosten zu senken, Produkte schneller auszuliefern
und über die Erhöhung der Kundenzufriedenheit den Profit zu steigern.
Die Putz & Partner Unternehmensberatung kann im E-Business erfahrene Berater und Referenzen
aufweisen. Das Angebot beginnt mit einem individuellen Workshop, in welchem der Kunde über
Geschäftschancen im Internet informiert wird und mittels Moderation der Beratungsgesellschaft
sein Engagement im E-Business im Rahmen eines Stufenplans erarbeitet.
Die anschließende Umsetzung dieser Strategie unterstützt PUTZ & PARTNER von der
Grobkonzeption bis hin zur Umsetzung durch erfahrene Projektmanager, auch unter Einbindung von
IT-Dienstleistern und Web-Agenturen. Mit einem projektbegleitenden Controlling sichert
PUTZ & PARTNER den Erfolg ab.
Über den Autor: Matthias Richter ist bei der Putz & Partner
Unternehmensberatung GmbH, Hamburg, für den Bereich E-Business verantwortlich. E-Mail: Matthias.Richter@PUTZundPARTNER.de
Dieser Artikel stammt aus dem E-Commerce-Info-Dienst der WEBAGENCY
(http://www.webagency.de).
Die WEBAGENCY E-Commerce AG konzipiert und realisiert E-Commerce- und
E-Business-Lösungen für die Industrie, den Handel, die
Dienstleistungsbranche und die öffentliche Hand.
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