Wer Online-Shops und Produktkataloge im WWW aufbaut, merkt es schnell: Das
Füllen des Online-Shops bzw. Elektronischen Katalogs mit produktbezogenen
Daten ist aufwendig und teuer. Vor allem wenn das Produktspektrum nicht nur ein
paar dutzend Artikel umfaßt, sondern mehrere hundert oder tausend Produkte.
Zu jedem Artikel gehören zahlreiche Daten: Beschreibungstexte, Abbildungen,
Preise und andere ergänzende Informationen wie z.B. technische Daten,
Verarbeitungshinweise, Qualitätszertifikate und vieles mehr. Diese Daten
müssen aus irgendeiner Quelle kommen. Prinzipiell gibt es zwei
Möglichkeiten: Die Daten werden manuell in den Online-Katalog eingepflegt
oder sie werden automatisiert aus einem anderen EDV-System übernommen.
Welche Vorgehensweise richtig ist, hängt von zahlreichen Parametern ab.
Pauschalrezepte gibt es keine.
Manuelle Dateneingabe ist aufwendig
Wenn Sie ein überschaubares Produktspektrum mit einer zweistelligen
Anzahl von unterschiedlichen Artikeln haben, spricht vieles für ein manuelles
Einpflegen der Daten in Ihren Online-Shop. Nach unserer Einschätzung besitzen
die wenigsten Online-Shops standardisierte Schnittstellen zu
Geschäftsanwendungen, die wirklich ohne größeren
Anpassungsaufwand funktionieren. (Gegenteiligen Äußerungen von
Software-Anbietern, daß alles ganz einfach sei, sollten Sie mit Mißtrauen
begegnen. Warum dies so ist, lesen Sie etwas weiter unten) Daher könnte die
Anpassung der Schnittstelle mehr Aufwand bedeuten als das manuelle Einpflegen
der gesamten Produktdaten.
Eine manuelle Dateneingabe bedeutet allerdings stets einen großen
Arbeitsaufwand (Kosten!!!) und ist eine potentielle Fehlerquelle. Immer wenn Daten
von Hand eingegeben werden, kann eine Fehleingabe nicht ausgeschlossen werden.
Deshalb müssen in einer solchen Situation entsprechende
Qualitätssicherungsmaßnahmen greifen, um die Korrektheit der Daten
sicherzustellen. Je größer die Zahl der manuell eingepflegten Daten ist,
desto schwieriger ist dies mit vertretbarem Aufwand (Zeit und Kosten!) zu realisieren.
Automatisierte Datenübernahme aus Bestandssystemen
Viele Unternehmen haben bereits ein EDV-System, in dem sie produktbezogene
Stammdaten pflegen, z.B. ein Warenwirtschaftsprogramm. Mit einer automatisierten
Übernahme der Daten aus diesem System in den Online-Shop werden die
Fehleingaben nahezu ausgeschlossen. Auch der manuelle Aufwand reduziert sich auf
ein Minimum... könnte man auf den ersten Blick meinen. Doch ganz so einfach ist
die Sache nicht. Die automatisierte Datenübernahme hat ihre Tücken und
erfordert unter Umständen noch umfangreiche manuelle Eingriffe.
Stimmt die Qualität der Stammdaten?
Zuerst einmal ist die Qualität der Stammdaten ist sehr wichtig. Wenn in der
Datenbank mit den Stammdaten etwas nicht stimmt und die Daten dort schlecht gepflegt
sind, dann werden diese Fehler bei einer automatisierten Datenübernahme auch
in der e-Commerce-Datenbank Ihres Online-Shops zu finden sein. Auch hier müssen
entsprechende Qualitätssicherungsmaßnahmen und Freigabe-Prozesse
implementiert werden, damit sichergestellt ist, daß nur korrekte, freigegebene Daten
im elektronischen Produktkatalog veröffentlicht werden.
Außerdem müssen Sie sich natürlich fragen, ob Sie Ihre Stammdaten
ohne weitere Nachbearbeitung in Ihren Online-Shop übernehmen können. Sind
beispielsweise die Produktbeschreibungen geeignet, um sie im WWW zu veröffentlichen?
Sind diese Texte so geschrieben, daß sie für Externe verständlich sind? Sind
sie in einer "marketingtauglichen Schreibe" verfaßt ("Unser Handstaubsauger macht die
Postermöbelreinigung zum Vergnügen...") oder eher trocken, technisch und gar
noch mit vielen Abkürzungen, die Ihren Kunden nicht geläufig sind ("H-Stb.-Sauger
mit Akku-Betr., 12 V, mit Netzansch. f. Ld.-Gerät, für Polstermbl.-Reinigung")? Stimmt
die Textlänge? Oder sind die Texte möglichwerweise zu lang (und damit nicht
bildschirmtauglich) oder zu kurz (nicht aussagekrätig)?
Wie steht es mit dem Bildmaterial?
Eine weitere interessante Aufgabe ist die internetgerechte Aufbereitung des Bildmaterials
für ihren Online-Shop. Wenn bereits Produktfotos vorliegen, die z.B. bei der Erstellung
eines klassischen Print-Kataloges verwendet wurden, müssen Sie sich Mittel und Wege
überlegen, um die in der Regel hochauflösenden Bilder mit hohem Datenvolumen
in ein internetgerechtes Format zu bringen. Internetgerechtes Format heißt GIF- oder
JPEG-Format mit 72 DPI-Auflösung (dies entspricht in der Bildschirmauflösung)
und einem Datenvolumen von maximal 10 kB bis 15 kB. Wenn Sie dies ohne großen sichtbaren
Qualitätsverlust bewerkstelligen möchten, können Sie dies nach unserer
Erfahrung nur mit einer manuellen Bildbearbeitung erreichen.
Sind Ihre Datenstrukturen kundenorientiert?
Eine Problemstellung, die gerne übersehen wird, ist die Struktur der Daten in Ihren
Stammdaten-Systemen. Ist diese Struktur kundengeeignet oder ist sie eher fertigungsorientiert
und für die Kunden nicht plausibel?
In der Regel werden ähnliche Produkte in Produktgruppen (Produktkategorien)
zusammengefaßt, z.B. netzbetriebene Handstaubsauger und Akku-Handstaubsauger zur
Produktgruppe 'Handstaubsauger'. Bei vielen Unternehmen ist die Einteilung der Stammdaten
in Produktgruppen unter Fertigungsaspekten vorgenommen worden. Dies könnte zum
Beispiel bedeuten, daß im Produktionsplanungssystem folgende Einteilung gewählt
wurde: Drei separate Produktgruppen für netzbetriebene Handstaubsauger, für
Akku-betriebene Handstaubsauger und für Kombigeräte, die am Netz oder mit Akkus
betrieben werden können. Aus Sicht der Produktion handelt es sich nämlich um
unterschiedliche Geräte, die aus ganz verschiedenen Einzelteilen auf möglicherweise
unterschiedlichen Fertigungsstraßen montiert werden. Deshalb macht eine feine Unterteilung
der Produktgruppen für den Fertigungsprozeß sehr viel Sinn.
Aus Perspektive der Kunden sieht die Sache unter Umständen anders aus. Die Kunden
halten nämlich alle Geräte für verhältnismäßig ähnlich.
Die Kunden betrachten alle Geräte als Handstaubsauger und erwarten, sie in einer einfachen,
unkomplizierten Struktur präsentiert zu bekommen: Nämlich in einer einzigen
Produktgruppe 'Handstaubsauger', die alle Gerätetypen umfaßt. Aus Sicht der Kunden
ist dies eine sinnvollere Einteilung als die feinere Unterteilung, die von der Fertigung benötigt
wird.
In diesem Fall muß die fertigungsorientierte Datenstruktur im PPS-System, in dem die
Stammdaten liegen, in eine kundenorientierte Datenstruktur für den elektronischen Katalog
im Online-Shop überführt werden. Und hier gilt die Aussage, die wir schon weiter oben
getroffen haben: Ab einer gewissen Anzahl von Produkten (nach unserer Einschätzung ab
ca. 1000 Artikeln) sollte. bzw. kann diese Zuordnung von Produkten zu Produktgruppen nicht mehr
manuell durchgeführt werden. Die automatisierte Überführung einer
fertigungsorientierten Produktgruppeneinteilung in eine kundenorientierte Einteilung ist machbar.
Sie ist kann jedoch recht knifflig sein und einiges Know-how erfordern.
Datenpflege
Wenn Sie Ihren Datenbestand im Online-Shop aus den Stammdaten füllen, werden Sie Ihre
Daten wahrscheinlich nur an einer Stelle, im System mit den Stammdaten, pflegen wollen. Wenn Sie
die Datenpflege an zwei Stellen, im Stammdaten-System und im Online-Shop, zulassen, werden Ihre
Datenbestände zwangsläufig auseinanderdriften und nicht mehr identisch sein. Deshalb
raten wir Ihnen, die Datenpflege nur in einem System durchzuführen: Dem Stammdaten-System.
Dies bedeutet, daß Sie die Fragestellung klären müssen, wie Neuanlagen,
Änderungen und Löschungen von Daten aus Ihrem Stammdaten-System in Ihren
Online-Shop übernommen werden.
Wenn ein Produkt vom Vertrieb zurückgezogen wird, wird in der Regel im Stammdatensatz
ein entsprechendes Kennzeichen gesetzt. Damit muß automatisch ein Entfernen dieses Produktes
aus dem Online-Katalog initiiert werden. Genau wie die Freigabe ist dies vor allem eine Frage der
wohldefinierten administrativen Prozesse und Verantwortlichkeiten, damit ein Datenabgleich zwischen
Stammdaten und Daten im Online-Shop reibungslos abläuft.
Fazit
Die manuelle Dateneingabe und -pflege in einem Online-Shop kann nur bei sehr kleinen Shops
empfohlen werden. Bei größeren Lösungen sollte eine automatisierte Lösung
bevorzugt werden. Allerdings ist die Anbindung eines Online-Shops an ein Back-End-System, ein
Stammdaten-System, weit mehr als das Herstellen einer Daten(bank)verbindung. Sie erfordert viel Planung.
Kümmern Sie sich um:
Eine genaue Analyse der vorhandenen Datenbestände,
Möglicherweise eine Aufbereitung der Stammdaten
Definierte administrative Prozesse