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e-Business verändert das Beschaffungswesen
Mitte '97 sorgte ein Interview der US-Zeitschrift InformationWeek mit Harvey Seegers, Präsident und Chief Executive Officer des Unternehmens General Electric Informations Services, für Aufsehen unter den Einkäufern in aller Welt. Harvey Seegers kündigte an, daß General Electric die Beschaffung in allen 12 Geschäftsbereichen auf das Internet verlagern wird. Dies umfaßt ein Einkaufsvolumen von US$ 5 Milliarden. (InformationWeek vom 26.6.97)
Einsparpotentiale
General Electric traf diese Entscheidung auf Basis der Ergebnisse eines Pilotprojektes im Geschäftsbereich GE Lighting. Neben reduziertem Personalbedarf wurden dort Materialeinsparungen von 5 bis 20 Prozent, eine Verringerung der Bearbeitungszeiten von sieben auf einen Tag und eine Verkürzung der Wiederbeschaffungszeiten von 18 bis 23 Tagen auf 9 bis 11 Tage verzeichnet.
Ergebnisse wie im Fall von General Electric zeigen, daß das Internet die herkömmlichen Beschaffungsvorgänge stark verändern wird. Über dieses Medium lassen sich Geschäftsprozesse vollelektronisch abbilden und zu niedrigen Transaktionskosten mit minimalen Durchlaufzeiten abwickeln. Darüber hinaus werden durch das Internet neuartige Geschäftsmodelle und -prozesse entstehen.
Beschaffung von C-Teilen
Besonders interessant sind die neuen Wege der Beschaffung für standardisierte, relativ geringwertige und mit geringem Beschaffungsrisiko verbundene Artikel (C-Teile). Trotz ihres geringen Einzelwertes machen diese Teile in Summe in vielen Unternehmen einen beträchlichen Anteil des Beschaffungsvolumens aus. Häufig wird die Beschaffung dieser Artikel mit den selben Prozessen administriert, die für den Einkauf höherwertiger A- und B-Teile festgelegt sind. Dadurch tritt bei den C-Teilen der eigentliche Einstandspreis gegenüber den Kosten für Bedarfsmeldung, Bestellung, Handling und Abrechnung in den Hintergrund. Die Administration wirkt hier als Kostentreiber. Typische C-Teile, auf die dies zutrifft, sind nichtproduktive Güter wie Büromaterial oder Hygieneartikel, aber auch produktive Güter wie Kleinteile und Verbrauchsmaterial.
Das Internet bietet interessante Auswege aus diesem Dilemma. Für die Beschaffung von Büromaterial könnte ein Unternehmen beispielsweise mit einem Lieferanten eine Rahmenvereinbarung abschließen, die vorsieht, daß der Lieferant einen elektronischen Katalog mit einem speziell für das Unternehmen festgelegten Artikelsortiment ins Internet stellt. Die Bedarfsträger können dann die gewünschten Güter über das Netz direkt beim Lieferanten abrufen, ohne die Einkaufsfunktionen des Unternehmens involvieren zu müssen. Der Lieferant veranlaßt seinerseits neben der Lieferung die vollelektronische Abrechnung der bestellten Ware.
Lieferanten managen Bestände
Für geringwertige produktive Verbrauchsmaterialen könnte vereinbart werden, daß das Management dieser Teile auf den Lieferanten übergeht. In einem solchen Fall erhält der Lieferant über das Internet die Möglichkeit auf die Warenwirtschaft des Unternehmens zuzugreifen. Er prüft regelmäßig den aktuellen Bestand der Materialien und veranlaßt bei Unterschreitung von definierten Schwellwerten selbständig eine Nachlieferung. Das Unternehmen wäre in diesem Fall vom kostentreibenden Management dieser geringwertigen Verbrauchsmaterialien entlastet, weil der Lieferant die Verantwortung dafür übernimmt, daß stets genügend Material vorhanden ist.
Beide Beispiele zeigen, daß die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und ihren Lieferanten über das Internet neue Formen annimmt, von denen beide Seiten profitieren. Für die Unternehmen resultiert daraus eine gesteigerte Kosten- und Zeiteffizienz in der Beschaffung, wogegen auf Seiten der Lieferanten eine deutlich höhere Kundenbindung entsteht.
Die Technologie für die Realisierung solcher Modelle ist heute vorhanden. Es zeigt sich, daß die deutschen Unternehmen unverständlicherweise in der Umsetzung noch sehr zögerlich sind. Ganz im Gegensatz zu den USA, wo bereits zahlreiche Firmen in diese Richtung investieren.
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